Melchsee-Frutt

Melchsee-Frutt ist ein Dorf und eine Tourismusdestination im Herzen der Schweiz. Das Dorf liegt auf 1'920 m ü. M., auf einer Hochebene und Hochalp umgeben von Bergen oberhalb der Baumgrenze. Alpwirtschaft und Tourismus nehmen die bedeutenden Rollen ein. Politisch gehört Melchsee-Frutt zur Gemeinde Kerns im Kanton Obwalden.

Ortschaft

Melchsee-Frutt hat rund einhundert Einwohner, vorwiegend Personal der Tourismusbetriebe. Das Dorf besteht aus knapp 60 Gebäuden, mehrheitlich Chalets und Häuser mit Ferien­wohnungen sowie Alphütten, fünf Hotels, ein Einkaufsgeschäft (gegenwärtig nicht in Betrieb), der Bergstation der Gondelbahn und der «Alten Bergstation» mit Tourismusbüro, Postagentur und Skischulbüro.

Saisons

Melchsee-Frutt ist während der Sommersaison von Mitte Juni bis Mitte Oktober und während der Wintersaison von Mitte Dezember bis ca. Mitte April belebt. Alpzeit oder Sömmerung ist auf der «Wildi», wie die Hochalpen von den Einheimischen genannt werden, im Juli und August.

Erschliessung

Melchsee-Frutt ist von Stöckalp her mit einer Gondelbahn erschlossen. Ausserhalb der Saisonzeiten ist die Gondelbahn nicht in Betrieb. Auf Stöckalp befindet sich ein grosser Parkplatz. Eine Bergstrasse kann im Sommer, solange sie schneefrei und nicht geschlossen ist, im Einbahnverkehr von Stöckalp nach Melchsee-Frutt befahren werden. Auch über gut ausgebaute Wanderwege ist Melchsee-Frutt erreichbar. Ausserhalb der Saisons und wenn die Strasse nicht mehr befahrbar ist, kann das Dorf nur zu Fuss oder allenfalls auf Anfrage mit einer Extrafahrt der Gondelbahn erreicht werden.

Tourismus

Aufgrund der Infrastruktur und überschau­baren Grösse gilt Melchsee-Frutt als familien­freundlich. Der Tagestourismus überwiegt.

Merkmale zum Wintersport auf Melchsee-Frutt sind: schneesicheres Gebiet, 14 Transport­anlagen, 32 km Pisten, 15 km Langlauf-Loipen, 8 km Schlittelweg, Winter-Wanderwege, Schneeschuh-Trails, Freestyle- und Border-Park, Kinderparadies «Fruttli-Land», Skitouren und Eisfischen.

Im Sommer ist die zauberhafte Landschaft mit den drei Bergseen der Anziehungspunkt. Von den Transport­anlagen sind die Gondelbahn Stöckalp – Melchsee-Frutt sowie die Pendelbahn auf den Bonistock und der Fruttli-Zug nach Tannalp in Betrieb. Aktive Tätigkeiten sind hauptsächlich Wandern, Fischen, Klettern und Biken.

Alpwirtschaft

Das Sömmerungsgebiet auf Melchsee-Frutt, die «Wildi», besteht aus den Hochalpen Aa, Melchsee und Tannalp. Diese drei Alpen sind hauptsächlich im Besitz der «Alpengenossenschaft Kerns ausserhalb der steinernen Bücke». Die Alpen umfassen zusammen 2'053 ha Land, davon 1'415 ha Weideland. Der Melchsee und der Tannensee liegen in eigenen Parzellen; sie sind Eigentum des Elektrizitätswerkes Obwalden. Die Fischereirechte jedoch gehören den Alpgenossen. Insgesamt hat es 37 Alphütten, die Alpgebäude auf Aa und Tannen sind privat im Baurecht. Im Sommer 2011 waren 1'400 Kühe, Rinder, Kälber und Stiere sowie einige wenige Ziegen und Pferde auf den Hochalpen. Die Sömmerung dauert 6 bis maximal 8 Wochen. In dieser Zeit werden 25'000 bis 40'000 Liter Milch produziert.

Geschichte

Die Alpweiden wurden wohl schon seit der Besiedelung genutzt. Erste Urkunden über die Kernser Alpen gehen ins 12. Jahrhundert zurück. Im 15. Jahrhundert wurde mit Abbau von Erz begonnen. Der Tourismus nahm 1865 mit den ersten Kurgästen in den «Oberen Frutthitten», dem heutigen Hotel Frutt Lodge & Spa, seinen Anfang. Das Kurhaus Reinhard eröffnete als zweites Hotel 1889 den Betrieb. Ein Jahr früher wurde das erste Ferienhaus erstellt. In den folgenden Jahren besuchten in den Sommermonaten Kurgäste aus ganz Europa die «Wildi».

Der Wintersport nahm 1925 seinen Anfang als Johann Rohrer alias «Kuriger» als Erster auch den Winter auf Melchsee verbrachte und die noch wenigen Wintersportler beherbergte. Er ist der Pionier des Wintersports auf Melchsee-Frutt.

Ein entscheidender Fortschritt war die 1935 von Hotelier Otto Reinhard erbaute Gondelbahn Stöckalp – Melchsee-Frutt, damals die längste Luftseilbahn der Schweiz. Jetzt mussten die Gäste nicht mehr mühsam mit Pferdewagen und im Winter ausschliesslich zu Fuss den beschwerlichen Weg bezwingen.

Governance

Mehr als die Hälfte der Landfläche der Gemeinde Kerns ist im Besitz der Korporation und der «Alpgenossenschaft ausserhalb der steinernen Brücke». Das Dorf Melchsee-Frutt befindet sich, einer Enklave gleich, inmitten des Hoheitsgebiets dieser Gemeinschaften. Daher werden Infrastruktur und Massnahmen – von der Verkehrsregelung über die Wasserversorgung bis zur Schneeräumung – von der Korporation und Alpgenossenschaft massgeblich bestimmt. Die Einwohnergemeinde spielt eine zurückhaltende Rolle.

Entwicklung

Melchsee-Frutt wird sich gemäss dem aktuellen Entwicklungskonzept auf absehbare Zeit rein qualitativ entwickeln. Baulandreserven gibt es nicht und Neubauten sind kaum mehr möglich. Auch für das Wintersportgebiet ist mittelfristig keine Erweiterung vorgesehen. Das einstige Projekt von einem Zusammenschluss mit Engelberg und Hasliberg dürfte von der heutigen Generation nicht verwirklicht werden.